Rebenkunde

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Rebenkunde

Um einen Wein wirklich verstehen zu können, braucht es mehr als das Wissen über die Rebsorte und die Herstellung. Hier erklären wir die Bestandteile einer Rebe und wie der Geschmack der Trauben zustande kommt. Außerdem erhalten Sie einen Überblick über einige der bekanntesten roten und weißen Sorten.

Rebe

In unserem Kapitel zum Weinanbau erfahren Sie bereits, dass Wein auf kargen Böden besonders gut wächst und dort seine Energie und die wenigen Nährstoffe in wenige, aber dafür umso geschmackvollere Weintrauben investiert. Neben den Traube und den Beeren hat die Rebe aber noch viele weitere Bestandteile, die nun Beachtung finden sollen.

Tau-, Seiten- und Fußwurzeln

Die feinen Wurzeln werden auch als Tagwurzeln bezeichnet und sind für die Wasserversorgung der Rebe zuständig. Sie wachsen knapp unter dem Boden und sind bereits sehr früh ausgeprägt. Die Seitenwurzeln sorgen dafür, dass die Rebe fest im Boden verankert ist. Außerdem versorgen sie die Pflanze mit Nährstoffen und Wasser – gerade dann, wenn die empfindlichen Tauwurzeln beschädigt wurden. Auch Fußwurzeln verankern die Rebe im Boden und transportieren Nährstoffe nach oben. Sie sind allerdings deutlich länger und kräftiger als Seiten-und Tauwurzeln. Durchschnittlich sind sie bis zu fünf Meter lang. Seltener erreichen sie Längen von 20 Metern.

Der Rebstamm

Als Fortsetzung der Wurzeln wächst der Rebstamm aus dem Boden. An ihm hält der Rest. Besonders wichtig ist der Stamm für den Transport von Nährstoffen in die Blätter und Wurzeln.

Ranken

Die Ranken der Rebe sind dafür zuständig der Pflanze Halt zu geben. In kreisenden Bewegungen suchen sie im Frühjahr ihre Umgebung nach Stabilität ab. Sobald die reizempfindlichen Spitzen der Ranken Äste, Drähte oder Ähnliches gefunden haben, umwickeln sie es. So wird die Rebe stabilisiert und aufgerichtet.

Blüten und Gescheine

Ganz klar: Wie jede andere Pflanze haben Weinreben Blüten und benötigen diese für ihre Vermehrung. In Europa sind diese Blüten zweigeschlechtig und können sich deshalb selbst befruchten. Im Gegensatz dazu sind amerikanische Reben typischerweise eingeschlechtig und müssen darauf warten durch Wind oder Insekten befruchtet zu werden. Der längliche Blütenstand einer Rebe wird als „Geschein“ bezeichnet. Am Geschein befinden sich die Blüten, die sich bei erfolgreicher Befruchtung zu Weinbeeren entwickeln können. Von „Verrieselung“ spricht der Winzer, wenn viele der Blüten oder zu kleine Beeren von ihren Stielen abgestoßen werden. Dies hängt meist mit einem Nährstoffmangel oder ungünstigen klimatischen Bedingungen zusammen.

Knospen, ihre Geiztriebe und das Verholzen

Im Frühjahr nach der Ernte bilden sich an den Trieben zwei Knospen die im Fachjargon als „Augen“ bezeichnet werden. Aus einem der Augen entwickeln sich der Sommertrieb und später die Gescheine und die Traube. Das zweite Auge überwintert im Knospenstadium. Das sogenannte Winterauge wird zum Sommertrieb des Folgejahres. Am Sommertrieb bilden sich immer auch Geiztriebe aus. Sie sind unfruchtbar und tragen keine Trauben. Normalerweise werden sie stehen gelassen, da ihre Blätter der Produktion von Zucker in der Rebe zuträglich sind und damit indirekt die Reifung der Traube beeinflussen. Die Sommertriebe verholzen recht schnell und werden dann als „einjähriges Holz“ bezeichnet. An ihnen wachsen Blätter und Trauben der Rebe. Nach der Lese lässt der Winzer lediglich zehn Prozent des einjährigen Holzes stehen. Die übrig gebliebenen Ruten dienen dem neuen Sommertrieb als Nährstoffspeicher für Notfälle und werden als „zweijähriges Holz“ bezeichnet.

Blätter als Nährstofflieferant

Neben den Nährstoffen, die die Wurzeln in die Rebe transportieren, spielen die Blätter für die Versorgung der Pflanze eine zentrale Rolle. In ihnen findet die Photosynthese statt, während der durch die Einwirkung von Licht Kohlenmonoxid aus der Luft in Zucker umgewandelt wird. Nachts wird über die Blätter dann überschüssiges Wasser ausgeschieden, das so zurück in den Boden gelangt und von den Wurzeln erneut aufgenommen werden kann.

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Trauben und Beeren

Bis zu vier Trauben kann jeder Sommertrieb hervorbringen. Meist schneidet der Winzer zwei von ihnen jedoch zurück, damit die Rebe ihre Energie in wenige Trauben investieren muss, die dafür umso geschmackvoller werden. Eine Traube besteht aus ihrem holzigen Stielgerüst und den Beeren. Anders als Tafeltrauben, wachsen die Beeren der Weintraube dichter und sind deutlich kleiner. Im Verhältnis haben sie mehr Schale und weniger Fruchtfleisch, als Tafeltrauben. Während ihres Wachstums sind die Beeren stets gelblich-grün. Erst mit der Reife werden die Trauben roter Rebsorten entsprechend dunkler und die Trauben weißer Rebsorten bleiben hell.

Das „noble“ Tannin

Tannin gilt als wichtigster Bestandteil eines Rotweins. Es ist ein Gerbstoff, der die vorzeitige Oxidation des Weins verhindert. Die leicht herbe Geschmacksnote ist charakteristisch für den Stoff, der dafür sorgt, dass ein Wein reifen kann. Neben allen holzigen Elementen der Rebe enthalten auch die Schalen der Beeren reichlich Tannin. Auch die Kerne und Stiele der Trauben enthalten Tannin, allerdings hat dieses einen weniger angenehmen Geschmack und birgt keine Vorteile für den Wein. Deshalb wird darauf geachtet, dass Stiele sorgfältig aussortiert wurden, bevor die Beeren gepresst werden. Das Pressen erfolgt auf möglichst schonende Weise, damit die Kerne nicht gequetscht werden und damit ihr Tannin an den Most abgeben. Tannin ist auch in Fässern aus jungem Holz enthalten. Diese sind ebenso wichtig für den Wein, wie das Tannin aus der Beerenschale. Je nach Holzart können sie dem Wein eine besondere Note verleihen, die ausdrücklich erwünscht ist.

Rote Rebsorten

Gerade weil die Struktur einer Rebe so schlicht erscheint, ist es umso beeindruckender, welche Vielzahl an Weinen aus ihr hervorgehen. Hier lernen Sie nun einige der bedeutsamsten roten Rebsorten kennen.

Cabernet Sauvignon

Cabernet Sauvignon gilt als eine der ältesten Rebsorten. Die geringen Erträge und der hohe Gerbstoffgehalt machen sie zur bevorzugten Sorte für die Herstellung hochwertiger Weine von kräftiger Farbe. Aus den dickschaligen, dunkelblauen Beeren werden aromatische Weine mit Noten von Johannisbeeren, Zedernholz und schwarzem Pfeffer hergestellt.

Grenache

In ganz Europa ist diese Rebsorte unter verschiedenen Namen verbreitet. Ihre Weine sind hellrot und charaktervoll. Ihren Ursprung hat die Rebsorte in Spanien, weshalb sie wahrscheinlich auch besonders widerstandsfähig gegenüber Hitze und Trockenheit ist.

Merlot

Merlot gilt als zweiseitige Traube. Da sie sehr ertragreich sein kann, werden oftmals klassische Landweine aus den dunklen Beeren gekeltert. Wird die Menge der Trauben begrenzt, wird ihr Geschmack erlesener und einige der besten Weine der Welt können aus Merlot hergestellt werden. Merlot-Weine weisen einen höheren Alkoholgehalt auf, als beispielsweise Cabernet Sauvignon, enthalten im Vergleich zu diesem aber weniger Tannin und Säure.

Nebbiolo

Diese Rebsorte bildet die Grundlage für die piemontesischen Klassiker Barolo und Barbaresco. Nebbiolo-Trauben verleihen den ausdrucksstarken Rotweinen ihren charakteristischen leicht herben Geschmack.

Pinot Noir

Besonders elegante Weine, die durch ihre Schlichtheit überzeugen, werden aus der Rebsorte Pinot Noir hergestellt. Die ungewöhnlich kleinen Trauben bestehen aus zahlreichen dünnschaligen Beeren. Meist wird Pinot Noir sortenrein gekeltert und es entstehen Weine mit geringem Tanningehalt und harmonischer Süße und Frucht.

Sangiovese

Diese Rebsorte ist der Klassiker aus der Toskana und die Basis für Chianti, Vino Nobile die Montepulciano und Brunello di Montalcino. Weine aus Sangiovese-Trauben sind reich an Tannin und säurebetont aber auch fruchtig.

Syrah / Shiraz

Besonders im Norden Frankreichs im Gebiet um die Rhône herum wird Syrah angebaut. Weine aus einer der edelsten Rebsorten der Welt sind von dunkler Farbe, haben einen hohen Tanningehalt und ein aromatisches Beerenaroma. Außerhalb Europas ist die Rebsorte unter dem Namen Shiraz bekannt.

Tempranillo

Dies ist die bedeutsamste Rebsorte Spaniens. Aus ihr werden Rotweine mit viel Tannin und ausgeprägter Säure hergestellt. Sie sind von dunkelroter Farbe und eignen sich ausgezeichnet zur Lagerung.

Weiße Rebsorten

Auch wenn mehr rote als weiße Trauben angebaut werden. Um die notwendige Säure eines Weißweins in den Beeren zu halten, benötigt es Lagen mit warmem Klima am Tag und deutlich kühleren Temperaturen in der Nacht. Wir zeigen stellen nun einige der bekanntesten weißen Rebsorten vor.

Chardonnay

Je nach Standort und Pflege kann diese Rebsorte weltweit unterschiedlichste Weine hervorbringen. Auf beinahe jeder Art von Boden können Trauben von hervorragender Qualität gedeihen.

Chenin Blanc

In Frankreich ist diese Rebsorte zu Hause und dort äußerst beliebt. Bei hohen Erträgen können aus ihr einfache Weißweine gewonnen werden, aber auch charaktervolle Weine mit betonter Säure können aus den Trauben erzeugt werden.

Garganega

Vor allem im Norden Italiens wird die weiße Rebsorte auf 13.000 Hektar angebaut. Aus ihr werden feine Weine mit intensivem Duft von Zitronen und Mandeln gekeltert.

Grauburgunder

In Deutschland, Frankreich (Pinot Gris) und Italien (Pinot Grigio) wird diese populäre Rebsorte besonders häufig angebaut. Am rötlichen Schimmer der Beeren lässt sich erkennen, dass die Sorte ihren Ursprung im Pinot Noir hat. Sowohl einfache, als auch feine und gehaltvolle Weine können aus Grauburgunder-Trauben hergestellt werden

Prosecco

Mit Prosecco verbindet man heute meist fruchtige Schaumweine. Aus der Rebsorte werden aber ebenfalls Weißweine erzeugt. Angebaut wird Prosecco hauptsächlich im Norden Italiens. Venetien, Treviso und Friaul sind bekannt für den hellen, goldgelben Wein mit viel Tannin und nussig anmutendem Geschmack.

Riesling

Besonders feine Weine bringt die spätreifende Rebsorte in kühlen Anbaugebieten hervor. Riesling wird deshalb vor allem in Deutschland angebaut. Die Weine sind gehaltvoll, säurebetont und langlebig. Die Qualität der Trauben ist selbst bei Erhöhung des Ertrags hoch.

Sauvignon Blanc

Diese Rebsorte ist recht anspruchsvoll und bringt erstklassige französische Weine aus unterschiedlichen Regionen hervor. Die Beeren mit der dicken Schale bringen einen natürlichen Duft nach Blumen und Wiese mit.

Trebbiano

In der Toskana, der Provence und auf Korsika ist diese Rebsorte besonders verbreitet. Sie erzeugt einfache trockene Weißweine.

Vermentino

Die spätreifende Rebsorte wird besonders auf Korsika, Sardinien und in Ligurien angebaut. Weine aus Vermentino-Trauben werden normalerweise trocken ausgebaut. Sie haben einen intensiven, blumigen Duft und weisen grünliche Reflexe auf.

Weißburgunder

Die auch als Pinot Bianco bekannte Rebsorte wird vor allem in Mitteleuropa und im Norden Italiens angebaut. Ursprünglich stammt sie aus dem Burgund. Bis heute bringt sie körperreiche Weißweine mit milden Aromen hervor.


Bilder:
https://pixabay.com/de/trauben-weinlese-herbst-952426/
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Um einen Wein wirklich verstehen zu können, braucht es mehr als das Wissen über die Rebsorte und die Herstellung.

Hier möchte ich die Fragen beantworten, die sich mir selbst im Laufe meiner Wein-Trinker-Karriere gestellt habe.