Die Weinprobe zuhause

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Die Weinprobe zuhause

Geselliges Degustieren – die Weinprobe zu Hause

Gesellig mit Freunden beisammensitzen und neue Weine kennenlernen – das klingt gut, findest du? Dann organisiere doch mal eine Weinprobe bei dir zuhause! Zu viel Aufwand, zu kompliziert? Nicht, wenn du einfach ein paar grundlegende Dinge beachtest, die wir dir in diesem Artikel erklären! Lies weiter, wenn du außerdem erfahren möchtest, worauf es bei der Weinverkostung ankommt!


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Die Vorbereitung: Location, Zeit und Co.

Entgegen der Vermutung ist eine Weinprobe kein Abendprogramm – ganz im Gegenteil, denn sie verlangt nach viel Tageslicht und einem hellen Raum! Das hat einen ganz einfachen Grund: nur bei guten Lichtverhältnissen kann man die Farbe eines Weins richtig bestimmen. Und diese ist nicht nur ein essentieller Bestandteil der Weindegustation, sondern offenbart auch bereits vor dem ersten Schluck viele Fakten über den Tropfen: Alter, Rebsorte, Struktur und eventuelle Mängel des Weins – das alles kann der Profi bereits anhand der Farbgebung erfassen. Um die Couleur richtig beurteilen zu können, sollte der Tisch, an dem die Verkostung stattfindet, am besten mit einer weißen Tischdecke oder weißen Tischsets ausgestattet sein (Tipp: Achte unbedingt darauf, dass es sich um Tischwäsche handelt, die anschließend bei mindestens 90° C gewaschen werden kann – denn sonst bleiben womöglich unschöne Rotweinflecken darauf zurück).

Wichtig ist zudem, dass der Raum gut belüftet werden kann, denn Fremdgerüche stören bei der Weinprobe erheblich und behindern sowohl die Geruchs- als auch die Geschmackssinne. Keller und Küche sind also tabu! Ebenfalls sollten alle Teilnehmer auf stark riechende Parfüms, Aftershaves und Dergleichen verzichten. Natürlich sollte vor und während der Degustation auch nicht geraucht werden.


Und sonst?

Was solltest du, neben Wein (hierzu später mehr!) außerdem bereithalten? Einen (guten) Korkenzieher, Blöcke und Stifte sowie geeignete Gläser – falls du vorhast, öfter zur Weinprobe zu laden, empfiehlt sich die Anschaffung sogenannter Degustationsgläser. Diese sind speziell für Tasting-Zwecke designt und sind daher sehr „bauchig“, damit der Wein genügend Fläche sowie Luftkontakt erhält, um sein volles Aroma zu entfalten. Nach oben hin verjüngt sich das Glas, so dass das Bukett durch die kleine Öffnung gebündelt an die Nase gelangen kann. Werden nur einige wenige Weine verkostet, können diese normal geschluckt werden. Wenn jedoch viele Weine verkostet werden, sollte eher „gespuckt“ werden – für diesen Zweck eignen sich entweder einfache Gefäße oder aber sogenannte „Spucknäpfe“ für Viel-Verkoster.


Und dazu?

Zur Weinprobe sollte in jedem Fall Leitungswasser gereicht, damit der Mundraum zwischen den einzelnen Proben neutralisiert werden kann. Bei einer hohen Anzahl von verschiedenen Weinen sollte zudem etwas zu Essen gereicht werden – am besten eignen sich hier Grissini oder ähnliches, leichtes Gebäck, da dieses zwar neutralisiert, den Gaumen jedoch, im Gegensatz etwa zu Brot, nicht zu schnell überfordert. Achtung: auch, wenn Käse und Wein als die Kombi schlechthin gehandelt wird – bei einer Weinprobe hat das Milchprodukt nichts zu suchen, da sein Geschmack, auch bei milderen Sorten, viel zu stark ist und so den Eigengeschmack des Weins übertönen würde.

Apropos Essen: vor einer Weinprobe sollte man niemals zu schwer speisen und vor allem nichts Alkoholisches trinken – am besten ist es, etwa ein- bis zwei Stunden vor der Degustation eine leichte Mahlzeit zu sich zu nehmen.


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Ans Eingemachte: die Auswahl der Weine

Für ein Tasting kommt grundsätzlich erstmal jeder Wein in Frage. Neben roten und weißen Weinen können auch Schaumweine verkostet werden. Es besteht auch die Möglichkeit einer gemischten Weinprobe, allerdings ist es gerade für Anfänger sinnvoller, sich eher durch verschiedene Weine eines Typus‘ oder einer Rebart zu probieren, um so ein Gefühl für Nuancen zu entwickeln. Zudem ist es wichtig, dass die Weine demselben Jahrgang entstammen und sich preislich in einer Kategorie befinden.

Wie viele Weine degustiert werden sollen, bleibt dir überlassen – für Beginner ist zwischen drei und sechs Flaschen eine geeignete Größenordnung. Eine Flasche reicht für etwa 18-20 Personen – so bleibt wahrscheinlich noch genug Wein übrig, den ihr nach der Probe in lockerer Runde weiter genießen könnt.

Besonders, wenn das Tasting später „gemischt“ erfolgt, ist es entscheidend, die Weine in der empfohlenen Reihenfolge zu probieren. Sprich: jung vor alt, weiß vor rot und leicht vor schwer. Ganz wichtig: die richtige Servier-Temperatur! Während Rotwein es mit 13 – 18° C gerne warm hat, mögen Weißweine lieber Temperaturen zwischen 9 – 12° C. Noch kühler möchte der Schaumwein genossen werden: er sollte bei etwa 5 – 7° C serviert werden. Am besten schaust du einfach auf das Etikett des entsprechenden Weines, denn dort ist meist die empfohlene Trinktemperatur angegeben. Als Faustregel gilt bei allen Sorten: lieber zu warm als zu kalt servieren!


Das Bukett

Geschmacks- und Geruchssinn sind eng miteinander verknüpft – daher ist das Bukett eines Weines ausschlaggebend dafür, wie man sein Aroma empfindet. Daher solltest du dir bei der Weinprobe immer die Zeit nehmen, ausgiebig an jedem Wein zu „schnuppern“. Dazu einfach das Glas behutsam ein wenig kreisen lassen, damit die Flüssigkeit möglichst viel Fläche berührt und so besonders viele Nuancen freisetzt.

Da der Geruch eines Weines den Anfänger zunächst überfordern kann, empfiehlt sich zunächst eine Einteilung in Kategorien: ist das Bukett eher fruchtig oder holzig, blumig oder würzig? Nach der groben Analyse geht es dann ins Feinere: kann man eine bestimmte Frucht, ein spezielles Gewürz oder eine bestimmte Blume ausmachen, nach der der Wein duftet? Zücke jetzt Block und Stift und versuche, alle Aromen genau wahrzunehmen und soweit es geht zu bestimmen.


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Der Geschmack

Entgegen mancher Unkenrufe ist die lange Beschäftigung und genaue Wahrnehmung mit dem Bukett eines Weines bei der Degustation keine „Esoterik“ – im Rachenraum befinden sich nämlich die sogenannten „Riechkolben“, welche durch die bereits wahrgenommenen Aromen den Geschmackssinn beeinflussen. Das Aroma eines Weines wird somit nicht über den Geschmack getragen – vielmehr ergibt es sich aus dem Zusammenspiel beider Sinneseindrücke!

Allerdings spielt der Geschmackssinn natürlich auch eine sehr wichtige Rolle: mit ihm lässt sich wahrnehmen, ob der Wein über einen eher starken oder weniger starken Alkoholgehalt verfügt, wie Säure und Süße sich zueinander verhalten und wie sich die Gerbstoffe, die sogenannten Tannine, auf das Aroma auswirken.

Für die Degustation sollte man lediglich einen guten Schluck Wein in den Mund nehmen, welchen man natürlich nicht sofort herunterschluckt. Profis ziehen zusätzlich zum Wein durch den spitz geformten Mund noch ein wenig Luft hinterher – was albern klingt, hat seinen Sinn: der zusätzliche Sauerstoff lässt das Bukett des Weines in die Nasenhöhle steigen, so dass das Aroma des Weines vollumfänglich wahrgenommen wird.

Notiere nun deinen Eindruck und beginne, den Wein zu „kauen“, das heißt, ihn im gesamten Mundraum umher zu bewegen.


Das Urteil

Die wichtigsten Faktoren, um ein Qualitätsurteil über einen Wein fällen zu können, sind seine Ausgewogenheit sowie sein Nachklang. Für erstere muss man erst etwas Erfahrung sammeln, denn es sollte hierfür beurteilt werden können, ob die verschiedenen Nuancen und Eigenschaften eines Weines einander perfekt ausbalancieren. Bei einem harmonischen Wein sollten sich seine Säure und Süße, sein Alkoholgehalt sowie seine Tanninstruktur in einer Art und Weise ergänzen, dass keine der Komponenten überdeutlich hervortritt. Daher wird bei einer Weinprobe insbesondere Wert auf diese Aspekte und ihr jeweiliges Zusammenspiel gelegt.

Unter dem Nachklang (auch Nachhaltigkeit) versteht man die Zeit, in welcher der Geschmackseindruck eines Weines bestehen bleibt, nachdem dieser degustiert wurde. Zwar wird der Begriff manchmal auch dazu genutzt, die Länge des tatsächlichen Nachgeschmacks zu beschreiben, vielmehr soll hiermit aber ausgesagt werden, wie lange sich der Eindruck des Weines hält – das sind bei sehr guten Weinen möglicherweise Jahre bis Jahrzehnte, allerdings erfolgt die Angabe simpel durch die weniger spezifischen Bezeichnungen „kurz“, „mittel“ und „lang“.


Nach der Probe

Gemeinsam über die Eindrücke plaudern, vielleicht einen Sieger küren oder einfach noch ein Gläschen des Lieblingsweins trinken – jetzt darf die Weinprobe ausklingen! Und: nach der Degustation darf natürlich gegessen werden – zum Beispiel auch die zuvor „verbotene“ Käseplatte!


Bilder:
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ich

Um einen Wein wirklich verstehen zu können, braucht es mehr als das Wissen über die Rebsorte und die Herstellung.

Hier möchte ich die Fragen beantworten, die sich mir selbst im Laufe meiner Wein-Trinker-Karriere gestellt habe.