Wie lange kann man bereits geöffneten Wein noch trinken?

Weinliebhaber mit Partnern, die den edlen Tropfen verschmähen sind leidgeprüft und alleinlebende können davon gleich ein ganzes Lied singen – die Rede ist von angebrochenen Weinflaschen. Ob Rot, ob Weiß oder Rosé: wer den Wein direkt am nächsten Tag austrinkt, muss sich natürlich nicht lange Gedanken machen, was mit dem Rest passieren soll. Wer aber nicht sofort dazu kommt oder eine zu große Menge übrig behalten hat, muss schon ein bisschen tiefer in die „Trickkiste“ greifen. Daher wollen wir im Folgenden erklären, wie lange welche Sorte nach dem Öffnen haltbar ist, wie man die Weinreste am besten aufbewahrt und was es sonst noch zu beachten gibt.

Die grundsätzliche Haltbarkeit

Im Allgemeinen kann sich Weißwein bis zu fünf Tagen, Rose bis zu sechs Tagen und Rotwein bis zu einer Woche halten. Die Grundvoraussetzung dafür ist immer die Aufbewahrung im Kühlschrank – vor allem erstere beide Weine „kippen“ sonst in aller Regel leider sehr schnell. Eine große Rolle in Bezug auf die Beständigkeit spielt auch der Füllstand der Flasche. Was zunächst nach Esoterik klingt, hat einen handfesten Grund: der Kontakt mit Sauerstoff ist es, was Wein schlecht werden lässt – und weniger Inhalt in der Weinflasche bedeutet so eine geringere, mehr Inhalt hingegen eine höhere Haltbarkeit des „Traubensaftes“. Die Oxidierung des Weines wird zusätzlich auch durch die Temperatur beeinflusst – der Grund, warum offener Wein stets im Kühlschrank aufbewahrt werden sollte, denn zwischen vier und sieben Grad wird der aromaschädliche Vorgang deutlich verzögert.

Wie zuvor bereits angerissen – je voller die Flasche noch ist, desto besser ist der Wein gegen die Oxidierung geschützt und somit länger haltbar. Sind also noch etwa ¾ des Rotweins vorhanden, kann dieser so bis zu einer Woche aufbewahrt werden. Handelt es sich nur um eine halbe Flasche, kann man den Wein noch etwa vier bis fünf Tage lang trinken. Ist nur noch ungefähr ¼ des Weins vorhanden, sollte er innerhalb der nächsten zwei Tage aufgebraucht werden. Ähnlich verhält es sich mit Rosé – auch er ist am längsten haltbar, wenn noch etwa ¾ des ursprünglichen Flascheninhalts vorhanden ist und kann noch bis zu sechs, mindestens aber vier Tage nach dem Öffnen getrunken werden. Ist die Flasche zur Hälfte geleert, sind es noch drei Tage. Wenn nur noch ¼ des Weins vorhanden ist, muss er am nächsten oder übernächsten Tag verbraucht werden. Die kürzeste Lebensdauer hat angebrochener Weißwein. Bei einer zu ¾ gefüllten Flasche ist er zwischen drei und fünf Tagen haltbar. Ein halbvoller Wein kann bis zu drei Tage aufbewahrt werden. Ist nur noch etwa ¼ Weißwein übrig geblieben, sollte dieser am besten am darauffolgenden Tag verbraucht werden.

Nicht vergessen: auch, wenn die Lagerung von offenem Wein zwingend im Kühlschrank erfolgen sollte – denken Sie unbedingt daran, Rotwein ein bis zwei Stunden vor dem Servieren herauszunehmen, damit er genügend Zeit hat, um seine optimale Trinktemperatur zu erreichen. Da Temperaturunterschiede Wein generell schaden (auch, wenn er noch verschlossen ist – besonders jedoch, wenn er bereits geöffnet wurde), sollten Sie auch darauf achten, den Wein nicht zu vielen Wechseln auszusetzten.

Lagern und Verschließen von offenem Wein

Neben dem richtigen Aufbewahrungsort, dem Kühlschrank, ist es ebenfalls wichtig, offene Weine nicht liegend, sondern stehend zu lagern. Während verschlossene Weine natürlich am besten liegen sollten, damit sie Kontakt zum Korken haben, ist dies bei bereits geöffneten Tropfen keine gute Idee: durch die waagerechte Position vergrößert sich die Fläche, welche Sauerstoffkontakt hat, um ein Vielfaches, wodurch der Wein deutlich schneller oxidiert.

Zudem ist es wichtig, den Wein nicht ohne Verschluss in den Kühlschrank zu stellen, da auch so mehr Sauerstoff herangelangt. Ziel ist es in jedem Fall, den Wein möglichst luftdicht zu versiegeln. Die einfachste Möglichkeit besteht darin, wieder zum Originalkorken zu greifen. Spezielle Weinverschlüsse, wie sie in zahlreichen Ausführungen im Handel erhältlich sind, sind keine gute Investition, da sie den Wein auch nicht besser gegen die Sauerstoffzufuhr abriegeln können als der Korken selbst.

Eine gute Variante, um angebrochene Weine besser vor Luftzufuhr zu schützen, ist jedoch die sogenannte Vakuumpumpe. Mit Hilfe von dieser lässt sich die Menge des Sauerstoffs in der Flasche enorm begrenzen. Allerdings gehen die Meinungen stark auseinander, was diese Art des Verschlusses anbelangt – denn manche Weinkenner befinden, dass die Vakuumpumpe den Geschmack des Weines negativ beeinflusst, da sie sein Aroma mindert. Auch unter Experten gibt es keine einheitliche Meinung zum Thema. Da derzeit noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Streitfall vorliegen, bleibt es eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die wohl teuerste Methode, um angebrochenen Wein so lange wie möglich haltbar zu machen, ist die sogenannte Gaspumpe. Mit Hilfe dieses Utensils wird ein Gasgemisch in die Flasche abgegeben, welches schwerer als Luft ist und somit eine Schutzschicht zwischen dem Wein und dem schädlichen Sauerstoff bilden kann. Da sowohl die Pumpe an sich als auch der Nachkauf von neuen Gaskartuschen äußerst kostspielig ist, ist die Anschaffung meist nicht lohnenswert.

Umfüllen von offenem Wein

Eine günstige und einfache Möglichkeit, um angebrochenen Wein vor Oxidation zu schützen, ist das Umfüllen in kleinere Behältnisse. Füllt man einen Wein in eine kleinere Flasche ab, ist die Sauerstoffmenge deutlich begrenzter und die Haltbarkeit erhöht sich noch einmal deutlich. Da Plastikflaschen das Aroma des Weins verändern können, empfiehlt es sich, hier eher zu Glasflaschen zu greifen. So abgefüllt ist der Wein auch noch über eine Woche hinaus haltbar.

Letzte Rettung: Einfrieren!

Bevor Sie den Wein wegschütten, probieren Sie es doch mal mit einfrieren! Zwar büßt der Tropfen so etwas an Aroma ein, für Saucen, Suppen und Co. kann er aber dennoch sehr gut verwendet werden. Tipp:  in einem Eiswürfelbehälter eingefroren lässt sich der Wein direkt portionsweise entnehmen!